DJ Bobo in der ausverkauften Lanxess Arena – ein Abend voller 90er-Euphorie

Als am Ende das Hallenlicht wieder anging und der letzte Glitzerstaub zu Boden sank, war eines klar: DJ Bobo hat in Köln mal wieder bewiesen, wie sehr die Menschen die 90er feiern. Mit rund 14.500 Fans war die Lanxess Arena am Samstagabend (6. Juni 2026) ausverkauft – von der Bühne selbst sprach Bobo sogar von 16.000. Den Sold-Out-Award nahm er noch am selben Abend entgegen.

Köln ist für den Schweizer fast ein Heimspiel: Schon das erste Konzert in der Arena überhaupt spielte er 1998, seither ist er hier regelmäßiger Gast. Bürgerlich heißt er Peter René Baumann, doch als DJ Bobo gehört er seit mehr als drei Jahrzehnten zu den festen Größen der europäischen Eurodance-Szene. Seine Songs wecken bis heute 90er-Erinnerungen – und der Mann selbst wirkt dabei erstaunlich bodenständig und nahbar.

Los ging es in den ersten 20 Minuten mit einer Kiss-, Dance- und Sing-Cam, die durchs Publikum wanderte. Wen die Kamera einfing, der musste küssen, tanzen oder singen – live und in groß auf dem riesigen Screen. Unterhaltung und gute Laune waren damit von Sekunde eins an gesetzt.

Was dann folgte, hatte mit einem klassischen Konzert nur noch wenig zu tun: zweieinhalb Stunden, in denen auf der Bühne praktisch ununterbrochen etwas passierte. Aufwändige Kostüme, Tänzerinnen und Tänzer, Akrobatik und ein Bühnenbild, das sich ständig veränderte – dazu riesige Videoprojektionen, die jedem Titel seine eigene Optik und Stimmung gaben. Streckenweise fühlte es sich mehr nach Musical als nach Pop-Show an. Farbenfroh und bunt, mal düster, mal ausgelassen – und immer getragen von den Hits, die man kennt: „Around the World“, „Somebody Dance with Me“, „It’s my Life“, „Chihuahua“ oder „Let the Dream Come True“.

Besonders schön war der Moment, in dem es nicht nur um die Welt, sondern auch zurück in die Zeit ging. Bobo öffnete den Blick in sein Jugendzimmer und an die Anfänge seines Projekts – damals, als ein zusammengebastelter Starschnitt von Kim Wilde sein ganzer Stolz war. Diesen hatte er zu Beginn der Tour mithilfe seiner Fans noch einmal komplett nachgebaut. Passend dazu erklang „I Believe“: sein Hit von 2003, den er 2013 gemeinsam mit eben jener Kim Wilde – einem Idol aus seiner Jugend – neu aufnahm. Auf der Bühne war sie zwar nicht persönlich dabei, ihre Stimme kam vom Band und sie war über die großen Projektionsflächen eingespielt – doch genau hier war der Nostalgiefaktor am größten.

©: Felix Gelijk

Auf Düsternis und Pathos folgte Licht, und davon reichlich. Bei „Pray“ versammelte sich Bobo mit seinen Zweitstimmen zu viert auf dem Steg, und mit jedem lauten „Pray“ loderten ringsum Flammen und Feuerfontänen. Danach wanderte das Licht in die Ränge: Die wohl schönste Laola-Welle aus Handylichtern zog – in immer neuen Tempi – ein ums andere Mal durch die Halle. Bobos Kommentar dazu: „Ich liebe es, wie ihr in Zeitlupe schreit!“

In einer Miami-Kulisse bekam dann die Tanzcrew ihren großen Moment: Jede und jeder wurde einzeln vorgestellt. Den Schlusspunkt setzte der Abend in Südamerika – mit „There is a Party“ und „Freedom“, einem Konfettiregen und einem riesigen Adler, der über allem thronte. Beim finalen „Freedom“ musste Bobo kaum noch selbst singen: Die Arena übernahm das für ihn, und der Jubel war noch einmal riesig.

Als schließlich das Hallenlicht zurückkam, hatte sich an diesem Abend garantiert niemand unter den Sitzen versteckt. Es war genau die Mischung, für die man zu so einem Konzert geht: musikalische Nostalgie, eine atemberaubende Bühne und pure Lebensfreude, die die Lanxess Arena zum Beben brachte. Und auch nach über drei Jahrzehnten auf der Bühne bleibt DJ Bobo ein Ausnahme-Entertainer, der sein Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde festhält. Köln hat ein bildgewaltiges Pop-Märchen gefeiert – und dass es nicht das letzte Mal war, darf man getrost wetten.

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