Heartbeatz Festival: Vom „Mega-Festival“ zur Komplettabsage – die Chronologie eines Scheiterns
Titelbild, quelle: Nightlife Productions UG
Es hätte Münchens größtes neues Musikfestival werden sollen: bis zu 20.000 Besucher täglich, Robin Schulz als Headliner und der vollständige Gewinn aus dem Ticketverkauf für den guten Zweck. Übrig geblieben ist ein Instagram-Statement.
Das Heartbeatz Festival findet 2026 nicht statt. Weder im Juni in Waldperlach, noch im Juni am Oberwiesenfeld, noch am 5. September. Für 2027 kündigen die Veranstalter bereits eine Neuauflage an: „HEARTBEATZ – COMING 2027“. Dabei soll einiges anders und besser werden.
Anders als bei den beiden vorherigen Verschiebungen behalten die Tickets diesmal allerdings nicht ihre Gültigkeit. Alle Karten sollen vollständig zurückerstattet werden, nach Angaben der Veranstalter „spätestens bis zum 31.10.2026“. Als Grund für die verzögerte Rückabwicklung nennen sie Probleme und Abstimmungen im Ticketing.
Damit ist die Ausgabe 2026 endgültig abgesagt und nicht lediglich verschoben. Wer 2027 dabei sein möchte, muss ein neues Ticket kaufen.
Ein Blick auf die Vorgeschichte zeigt allerdings: Die Absage kommt nicht aus dem Nichts. Bereits im Frühjahr waren zentrale Probleme rund um Standort, Genehmigung und Organisation erkennbar.
Die Chronologie
April 2026 – Der große Auftakt
Die Münchner Leo Wagenhofer, damals 18 Jahre alt, und Christopher Kersten, 37, stellen ihr Festivalprojekt der Abendzeitung München vor. Geplant sind drei Festivaltage vom 12. bis 14. Juni auf dem Gelände des ehemaligen Kieswerks Mächler an der Putzbrunner Straße in Waldperlach.
Auf mehr als 20.000 Quadratmetern sollen insgesamt bis zu 60.000 Besucher Platz finden. Erfahrung hätten die beiden Veranstalter bereits mit Events mit bis zu 5.000 Gästen sowie mit After-Show-Partys gesammelt. Rund 800.000 Euro seien zu diesem Zeitpunkt bereits in die Planung geflossen. Kersten sagt damals gegenüber der AZ über seinen Schlaf: „Gefühlt schlafe ich überhaupt nicht mehr.“
Am 11. April kündigt Robin Schulz seinen Auftritt selbst über Instagram an. Die Ticketpreise liegen je nach Kategorie bei rund 60 bis 80 Euro. Am Ticketverkauf wolle man selbst nicht verdienen. Einnahmen sollten stattdessen über die Gastronomie erzielt werden, die die Veranstalter selbst betreiben wollten. Als Partner werden unter anderem die Brauerei Aying und Lillet genannt.
Der Gewinn aus dem Ticketverkauf sollte vollständig für wohltätige Zwecke gespendet werden. Als Charity-Partner werden DKMS, Deutsche Kinderkrebshilfe und „Ein Herz für Kinder“ genannt, in anderen Darstellungen zusätzlich die Deutsche Krebshilfe und die Johanniter.
Doch bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es ein wesentliches Problem: Das Kreisverwaltungsreferat München (KVR) teilt der AZ Anfang April mit, dass noch keine Genehmigung für die Veranstaltung vorliegt. Eingereicht worden sei lediglich ein „Veranstaltungsentwurf“.
Nach Angaben des KVR fehlen zu diesem Zeitpunkt wesentliche Unterlagen, darunter ein belastbares Sicherheits- und Verkehrskonzept sowie ein schalltechnisches Gutachten. In unmittelbarer Nähe des geplanten Geländes befinden sich außerdem ein Krankenhaus und ein Altenheim.
Auch politisch sorgt das Projekt für Überraschung. Thomas Kauer, Vorsitzender des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, erfährt nach eigener Aussage erst durch die Anfrage der Abendzeitung von den Festivalplänen.
Der Ticketverkauf läuft zu diesem Zeitpunkt bereits.
Mai 2026 – Widerstand und erster Umzug
Der Widerstand gegen den ursprünglichen Standort nimmt zu. Anwohner wenden sich an den Bezirksausschuss, der das Großevent in einer Stellungnahme ablehnt.
Auch Naturschutzverbände protestieren öffentlich. Die Münchner Kreisgruppen des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) und des Bund Naturschutz verweisen auf geschützte Tierarten, die in und um die ehemalige Kiesgrube vorkommen sollen. Genannt werden unter anderem Europäischer Laubfrosch, Wechselkröte und Erdkröte.
Hans Greßirer vom Bund Naturschutz verweist auf das Tötungsverbot nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes. LBV-Vorsitzende Christina Schneider führt zudem die Vogelbrutzeit als Problem an. Störungsempfindliche Arten könnten bereits bei vergleichsweise niedrigen Lärmpegeln beeinträchtigt werden. Die vom Veranstalter in Aussicht gestellten 65 bis 70 Dezibel liegen deutlich darüber.
Mitte Mai folgt der erste große Einschnitt: Das Festival zieht um.
Neuer Veranstaltungsort wird das Zwischennutzungsquartier „Lucky Star“ an der Moosacher Straße 70 auf dem ehemaligen Knorr-Bremse-Areal nördlich des Olympiadorfs. Betreiber des Areals ist Michi Kern.
Gleichzeitig wird das Festival verkleinert. Aus drei Tagen werden zwei: der 13. und 14. Juni.
Die Veranstalter präsentieren den Standortwechsel als „Major Upgrade“. Freitagstickets können zurückgegeben oder auf den Samstag umgebucht werden. Inhabern eines Wochenendpasses wird außerdem ein zusätzliches „Heartbeatz Special“ Anfang September ohne Aufpreis versprochen.
Das KVR bestätigt unterdessen, dass die Verlegung von den Veranstaltern selbst angekündigt beziehungsweise beantragt wurde. Für den neuen Standort wurde ein neues Genehmigungsverfahren eingeleitet. Für die zunächst geplanten Termine am 13. und 14. Juni beantragten die Veranstalter eine Veranstaltung mit bis zu 4.500 Besuchenden.
Eine Genehmigung lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Das Verfahren war jedoch noch nicht abgeschlossen
11. Juni 2026 – Verschiebung, zwei Tage vor dem geplanten Start
Zwei Tage vor dem ursprünglich geplanten Festivalbeginn folgt die nächste Wendung.
Per Instagram teilen die Veranstalter mit, dass das Festival auf den 5. September verschoben wird. Gleichzeitig wird das Konzept erneut verkleinert: Statt zwei Tagen soll Heartbeatz nun nur noch an einem Tag stattfinden.
Als Grund nennen die Veranstalter „infrastrukturelle Herausforderungen“. Man benötige mehr Zeit, um ein sicheres und reibungsloses Festival gewährleisten zu können.
Die bereits gekauften Tickets behalten zunächst ihre Gültigkeit.
Aus drei Tagen waren zwei geworden. Aus zwei wurde einer. Aus Waldperlach war Milbertshofen geworden.
Zum Zeitpunkt der erneuten Verlegung auf den 5. September war das Genehmigungsverfahren für den neuen Termin laut KVR noch nicht abgeschlossen. Anders als zuvor lagen nach Angaben der Behörde zu diesem Zeitpunkt jedoch alle notwendigen Unterlagen vor. Für den neuen Termin reichten die Veranstalter keine weiteren Unterlagen ein.
Nachdem die Veranstalter das KVR inzwischen über die endgültige Absage informiert haben, wurde das Genehmigungsverfahren eingestellt.
August 2026 – Die Komplettabsage
Im August folgt schließlich die endgültige Absage für 2026.
In ihrem aktuellen Statement erklären die Veranstalter, das Festival werde in diesem Jahr nicht stattfinden. Man habe „alles in unserer Macht Stehende“ getan, sei jedoch auf Herausforderungen gestoßen, die sich nicht mehr zufriedenstellend lösen ließen.
Alle Tickets sollen vollständig zurückerstattet werden. Wegen „Problemen und Abstimmungen im Ticketing“ werde die Rückabwicklung allerdings Zeit benötigen. Spätestens bis zum 31. Oktober 2026 soll sie abgeschlossen sein.
Gleichzeitig richten die Veranstalter den Blick bereits nach vorn und kündigen eine Neuauflage für das kommende Jahr an:
„HEARTBEATZ – COMING 2027.“
Ob und in welcher Form daraus tatsächlich ein Festival wird, ist derzeit noch offen.
Und dann verschwindet die Website.

Seit mindestens dem 27.08.2026 ist heartbeatzfestival.de nicht mehr erreichbar. Statt der Festivalseite erscheint eine Platzhalterseite des Providers IONOS. Damit sind zugleich das Impressum, die AGB mit der Erstattungsregelung und das Kontaktformular offline – also genau die Anlaufstellen, über die Ticketkäuferinnen und -käufer ihren Anspruch geltend machen würden. Woran der Ausfall liegt, ist offen; möglich sind ein beendeter Hosting-Vertrag, eine offene Rechnung oder eine technische Umstellung. f.g.media hat die Veranstalter dazu befragt aber bis zu Redaktionsschluss noch keine Finale Antwort erhalten, sollte uns eine Antwort vorliegen wird dieser Artikel entsprechend aktualisiert.
Was ein Betroffener berichtet
Wie es Ticketkäuferinnen und -käufern aktuell ergeht, lässt sich bislang nur punktuell nachvollziehen. Ein Ticketkäufer, der f.g.media bekannt ist, schildert, er habe die Veranstalter schriftlich kontaktiert. Darauf habe er keine Reaktion erhalten. Die Kommunikation nennt er „absolut unseriös“; Tickets würde er dort nach dieser Erfahrung nicht noch einmal kaufen.
Das ist eine Einzelstimme und kein Beleg dafür, wie die Rückabwicklung insgesamt verläuft. Sie deckt sich allerdings mit dem, was auch von außen sichtbar ist: Seit dem Ausfall der Website gibt es keine öffentlich benannte Stelle mehr, an die sich Betroffene wenden können. Auch dazu liegt den Veranstaltern eine Anfrage vor.
Was Ticketkäufer jetzt wissen sollten
Die AGB des Festivals waren an dieser Stelle eindeutig: Bei einer Absage vor Veranstaltungsbeginn wird der Ticketpreis erstattet. Eine Frist bis Ende Oktober war dort nicht vorgesehen – sie ist eine Selbstverpflichtung der Veranstalter, kein gesetzlicher Zeitrahmen. Wer sein Geld zurückwill, muss nicht bis zum 31. Oktober warten, sondern kann die Erstattung schriftlich und mit eigener Fristsetzung verlangen. Da die AGB derzeit nicht mehr online abrufbar sind, lohnt es sich, die eigene Bestellbestätigung und einen archivierten Stand der Bedingungen zu sichern.
Wichtig ist außerdem, wo gekauft wurde: Tickets liefen über die Festival-Website (Ticketing-Dienstleister Weezevent) sowie über Partnervorverkaufsstellen wie München Ticket. Der Erstattungsanspruch richtet sich in der Regel gegen die Stelle, bei der der Vertrag zustande kam – wer bei einer Vorverkaufsstelle gekauft hat, wendet sich also zuerst dorthin und ist vom Ausfall der Festivalseite weniger betroffen.
Wer per Lastschrift, Kreditkarte oder PayPal gezahlt hat, sollte parallel die Optionen des Zahlungsdienstleisters prüfen. Bei Lastschrift gilt eine Rückgabefrist von acht Wochen ab Belastung, beim Kreditkarten-Chargeback und beim PayPal-Käuferschutz gelten eigene, ebenfalls begrenzte Fristen. Diese Fristen laufen unabhängig von der Ankündigung der Veranstalter – wer bis Ende Oktober abwartet, kann sie verstreichen lassen.
Hinweis: Das ist eine Einordnung der öffentlich einsehbaren Vertragsbedingungen, keine Rechtsberatung. Wer sich unsicher ist, wendet sich an die Verbraucherzentrale Bayern.
Die offenen Fragen
Was bei der Planung und Absage des Festivals schiefgelaufen ist, lässt sich an mehreren Punkten festmachen. Gleichzeitig sind einige zentrale Fragen bis heute offen.
1. Ticketverkauf vor Abschluss des Genehmigungsverfahrens
Der Ticketverkauf begann bereits, bevor die Genehmigungsverfahren für die jeweiligen Veranstaltungsorte abgeschlossen waren. Das KVR stellt nun allerdings klar, dass dies in der Veranstaltungsbranche gängige Praxis sei. Die Entscheidung, bereits vor Abschluss eines Genehmigungsverfahrens Tickets anzubieten, liege allein in der Verantwortung der jeweiligen Veranstaltenden.
Damit ist zumindest die grundsätzliche Praxis des Vorverkaufs vor einer finalen Genehmigung kein ungewöhnlicher Sonderfall des Heartbeatz Festivals. Entscheidend bleibt jedoch, dass eine Genehmigung zum Zeitpunkt des Ticketverkaufs noch nicht vorlag und das wirtschaftliche Risiko einer späteren Absage damit auch bei den Veranstaltern und Ticketkäuferinnen und -käufern liegt.
2. Der ursprüngliche Standort
Auch die Wahl des ersten Veranstaltungsortes wirft Fragen auf. Die geplante Fläche lag unmittelbar neben einem Landschaftsschutzgebiet. Gleichzeitig befanden sich ein Krankenhaus und ein Altenheim in Hörweite. Hinzu kam der Veranstaltungszeitraum während der Vogelbrutzeit.
Die naturschutzrechtlichen und immissionsschutzrechtlichen Konflikte waren damit zumindest teilweise absehbar. Dass die Veranstaltung später auf das Gelände des Lucky Star verlegt wurde, war letztlich eine Reaktion auf die entstandenen Probleme am ursprünglichen Standort.
Offen bleibt allerdings, warum dieser Standort überhaupt als Ausgangspunkt gewählt wurde und wie die entsprechenden Risiken vor Beginn des Ticketverkaufs bewertet wurden.
3. Eine erreichbare Anlaufstelle für Ticketkäufer fehlt
Eine angekündigte Rückerstattung ist nur dann praktisch nutzbar, wenn Betroffene auch wissen, an wen sie sich wenden können.
Inzwischen ist die Website der Veranstaltung nicht mehr erreichbar. Damit sind unter anderem Impressum, AGB und das bisherige Kontaktformular nicht mehr abrufbar. Wer sein Ticket nicht über eine Vorverkaufsstelle gekauft hat und nun eine Rückerstattung erwartet, steht deshalb vor einer einfachen, aber entscheidenden Frage: An wen muss man sich wenden?
Genau hier wird sich zeigen, wie belastbar die am 31. Oktober angekündigte Rückerstattung tatsächlich umgesetzt wird.
Die Anfragen von f.g.media
In eigener Sache: f.g.media hat beim Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München angefragt, ob für die ursprünglich geplanten Termine am 13. und 14. Juni sowie am 5. September 2026 am Standort Lucky Star eine Genehmigung vorlag, welche Unterlagen zuletzt noch ausstanden und wie die jeweiligen Genehmigungsverfahren abgeschlossen wurden. Darüber hinaus wurde das KVR um eine Einschätzung dazu gebeten, dass der Ticketvorverkauf bereits begonnen hatte, bevor das Genehmigungsverfahren nach den vorliegenden Informationen abgeschlossen war. Das KVR hat die Fragen beantwortet; die Antworten sind oben in diesen Beitrag eingearbeitet.
Parallel wurden auch die Veranstalter um Antworten gebeten – unter anderem zu den Gründen für die Absage, zum Ausfall der Website, zum Ablauf und zur Absicherung der Rückerstattungen, zum aktuellen Stand bei den Charity-Partnern sowie zur angekündigten Neuauflage im Jahr 2027. Beide Anfragen waren mit einer Frist bis zum 1. September 2026 versehen. Eine Antwort der Veranstalter liegt bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht vor. Sollte sie noch eingehen, wird der Beitrag entsprechend ergänzt.
Einordnung
Absagen gehören zum Festivalgeschäft, das Jahr 2026 hat international genug Beispiele geliefert – von gestiegenen Produktions- und Versicherungskosten bis zu schwächelnder Ticketnachfrage. Dieser Fall ist etwas anders. Hier ist keine etablierte Marke an Kosten zerbrochen, hier ist eine Erstauflage an den Grundlagen gescheitert: Genehmigung, Standort, Zeitplan. Dass zwei Veranstalter mit sechsstelligem Eigenrisiko in ein Projekt dieser Größe gehen, verdient Respekt vor dem Mut. Es entbindet aber nicht davon, den Ticketverkauf an gesicherte Voraussetzungen zu koppeln – denn das Risiko haben am Ende auch die Käuferinnen und Käufer mitgetragen, mit Geld, das jetzt bis zu zwei Monate lang gebunden bleibt.
Für 2027 ist der Anspruch formuliert, das Festival so umzusetzen, wie es von Anfang an gedacht war. Das ist nach diesem Jahr eine Ansage, die man ernst nehmen kann – aber erst dann, wenn Genehmigung und Standort vor dem Ticketverkauf stehen und die Rückabwicklung von 2026 sauber abgeschlossen ist. An diesen beiden Punkten wird sich messen lassen, ob aus der Ankündigung nun auch ein Festival wird.
Dieser Artikel kann mit KI-gestützter Hilfe erstellt worden sein. Mehr dazu in unserer KI-Transparenz-Erklärung.