Von „Letzte Bahn“ bis „Das was bleibt“: Wie Anna Grey das Genre-Denken aushebelt

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Es gibt eine bequeme Erzählung über Anna Grey: die introspektive Deutschpop-Songwriterin, die sich gelegentlich in fremde Genres wagt.

Sie stimmt nur leider nicht.

Denn wer sich ihre Diskografie genauer anschaut, stellt fest: Der Dancefloor war für Anna Grey nie ein Ausflug. Noch bevor sie mit ihrer ersten deutschsprachigen Single „Geheimnis“ im April 2024 eine neue musikalische Phase einleitete, war ihre Stimme bereits auf elektronischen Produktionen zu hören. „Way Back Home“ mit VIZE, „Walk On Water“ mit Tiscore, „We Are“ mit Pulsedriver und Tiscore sowie „Thank You“ mit Gestört aber GeiL stammen aus einer Zeit, in der ihr deutschsprachiger Deutschpop-Katalog noch gar nicht existierte.

Wer bei Anna Grey also von einem Ausflug in fremde Genres spricht, hat die Reihenfolge vertauscht.

Gitarren statt Hochglanz-Pop

Mit „LETZTE BAHN“ schlägt Anna Grey gemeinsam mit dem Emo-Pop-Künstler Moonkid ☾ nun eine andere Richtung ein. Der Song erzählt von einem Abend, den man lebt, als gäbe es kein Morgen. Einen Moment festhalten, sich fallen lassen, die Nacht nicht enden lassen.

Musikalisch setzt der Song dafür weniger auf klassisches Radioformat als auf Indie-Gitarren und einen zurückgenommenen Bandsound. Schon der Titel liefert das zentrale Bild: Die letzte Bahn wird zur Grenze zwischen einer Nacht, die weitergehen soll, und dem Moment, in dem sie zwangsläufig endet.

Interessant ist dabei gerade, was der Song nicht versucht zu sein scheint. Aus dem Motiv einer durchfeierten Nacht wird kein offensichtlicher Mitgröhl-Refrain. Stattdessen bleibt „LETZTE BAHN“ melancholisch und gedämpft.

@annagrey.music

Lass uns so tun als ob’s uns morgen nicht mehr gibt @Moonkid

♬ original sound – Moonkid

Für Moonkid ☾ ist die Zusammenarbeit zugleich ein Schritt vor dem Debütalbum „GESCHICHTEN VOM MOND“, das am 11. September 2026 erscheint. Beide Künstler standen in diesem Sommer beim Deichbrand auf der Bühne.

Zurück auf den Dancefloor

Heute Abend (23:59 Uhr) folgt bereits der nächste Richtungswechsel. Gemeinsam mit dem Berliner DJ- und Produzentenduo YouNotUs veröffentlicht Anna Grey „Wir werden uns wiedersehen“.

Ein Bruch ist das nicht.

Anna Grey singt seit Jahren auf Danceproduktionen. „Thank You“ mit Gestört aber GeiL gehört bis heute zu den bekannteren Titeln aus dieser Phase. Auch die Zusammenarbeit mit VIZE und Tiscore zeigt, dass elektronische Musik nicht erst jetzt wieder in ihrem Katalog auftaucht.

Spannender ist deshalb die Frage, warum diese unterschiedlichen Produktionen trotzdem nach derselben Künstlerin klingen können.

Die Antwort liegt weniger im Genre als in ihrer Stimme. Anna Grey kann über Gitarren funktionieren, genauso wie über elektronische Produktionen. Der gemeinsame Nenner ist nicht das Instrumental darunter, sondern die Art, wie ihre Stimme und ihre Texte darüber funktionieren.

Genau deshalb wirkt der Wechsel zwischen Emo-Pop und Dance weniger wie eine musikalische Identitätssuche als wie unterschiedliche Räume für dieselbe Künstlerin.

Auch die Geschichte von YouNotUs passt dazu. Das Berliner Duo ist unter anderem für Neuinterpretationen bekannter Songs bekannt, darunter „Supergirl“, „Narcotic“ und zuletzt „What You Hiding?“, eine 2026 erschienene Version von Kevin Lyttles „Turn Me On“.

Ob „Wir werden uns wiedersehen“ musikalisch an diese Reihe anschließt, wird sich heute Abend in dem neuen Song zeigen.

Drei musikalische Register in einem Jahr

2026 macht diese Bandbreite besonders sichtbar.

Im Juli erschien „Wenn du scheinst“, ein urbaner Popsong über Mut, Selbstvertrauen und die Entscheidung, den eigenen Träumen noch einmal eine Chance zu geben.

Danach folgte mit „LETZTE BAHN“ der Gitarrensound. Nun geht es zurück in Richtung Dancefloor.

Drei Veröffentlichungen, drei unterschiedliche musikalische Räume.

Das muss keine Orientierungslosigkeit bedeuten. Im Gegenteil: Vielleicht ist genau die Erwartung eines festen Sounds das falsche Maß, um Anna Grey zu betrachten.

Ihre Konstante ist nicht das Genre. Es ist die Stimme.

Dazu kommen Kollaborationen, die diese Vielseitigkeit noch sichtbarer machen. Features mit Kontra K, Kayef und Gestört aber GeiL treffen auf Festivalauftritte bei Deichbrand und Rock am Ring. Die Namen und Bühnen kommen aus unterschiedlichen Teilen der Poplandschaft.

Anna Grey bewegt sich also nicht einfach zwischen Genres. Sie bewegt sich zwischen Szenen, ohne ihre eigene musikalische Identität jedes Mal neu definieren zu müssen.

Was noch unveröffentlicht ist

Und dann ist da noch das Material, das bislang nicht offiziell erschienen ist.

@annagrey.music

Nichts zu riskieren ist auch zu riskant 🫰🏼 #deichbrand #hörprobe

♬ Das was bleibt – Anna Grey

„Das was bleibt“ ist eines davon. Ein Releasedatum ist bislang nicht bekannt. Über TikTok und ihre sozialen Kanäle hat Anna Grey bereits Hörproben veröffentlicht, außerdem hat sie in den vergangenen Monaten mehrere bislang unveröffentlichte Songs live gespielt.

Welche dieser Songs tatsächlich als Nächstes erscheint, ist derzeit offen.

Sicher ist nur: Es gibt deutlich mehr Material, als derzeit auf Streamingplattformen zu hören ist.

Vielleicht ist genau das der Punkt: Bei Anna Grey lässt sich die nächste Veröffentlichung nicht zuverlässig aus der vorherigen ableiten. Wer ihren Weg ausschließlich über Genregrenzen oder eine vermeintlich feste musikalische Richtung erklären will, macht es sich zu einfach.

Denn ihre musikalische Identität scheint nicht darin zu liegen, immer gleich zu klingen.

Sondern darin, dass sie unterschiedlich klingen kann, ohne dabei beliebig zu werden.

Dieser Artikel kann mit KI-gestützter Hilfe erstellt worden sein. Mehr dazu in unserer KI-Transparenz-Erklärung.

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